Auch 22. Wahlrunde endet ohne Sieger
Nach 22 ergebnislosen Wahlrunden hat die UNO-Vollversammlung die Wahl eines neuen Mitglieds aus Lateinamerika für den Sicherheitsrat vertagt. Im 22. Wahlgang erreichte Guatemala 102 Stimmen, Venezuela 77. Notwendig sind 123 Stimmen.
Reibungsloser ging die Wahl der anderen zur Disposition stehenden Sitze vonstatten: Südafrika, Indonesien, Italien und Belgien ziehen am 1. Januar für zwei Jahre in den Sicherheitsrat ein. Guatemala lag in den Wahlgängen am Montag und Dienstag vor Venezuela, verfehlte aber jeweils die notwendige Zwei-Drittel-Mehrheit.
Vollversammlung offenbar tief gespalten
Es sei offensichtlich, dass die Vollversammlung in der Frage tief gespalten sei, sagte der Vertreter der Arabischen Liga, Yahya Mahmassani, in New York. Aus Diplomatenkreisen wurden erste Forderungen nach einem Kompromisskandidaten laut. Vorläufig schienen allerdings weder Venezuela noch Guatemala bereit, ihre Kandidatur zurückzuziehen. Mögliche Kompromisskandidaten wären Uruguay, Costa Rica, Mexiko und die Dominikanische Republik.
Machtkampf zwischen USA und Venezuela
Die Neubesetzung des lateinamerikanischen Sitzes gilt als Machtkampf zwischen den USA und dem venezolanischen Präsidenten Hugo Chavez. Er möchte sein Land um jeden Preis in das höchste UNO-Gremium bringen, während die Regierung von US-Präsident George W. Bush Guatemala durchsetzen will. Vorläufig scheinen weder Venezuela noch Guatemala bereit, ihre Kandidatur zurückzuziehen. Mögliche Kompromisskandidaten sind Uruguay, Costa Rica, Mexiko und die Dominikanische Republik.
Rekord von 155 Wahlrunden
Den Rekord für die Wahl ins höchste UNO-Gremium hält ein Abstimmungsmarathon aus dem Jahr 1979. Die Vollversammlung hatte damals zwischen Kuba und Kolumbien zu entscheiden. Erst nach 154 ergebnislosen Wahlrunden einigte man sich im 155. Durchgang auf den Ersatzkandidaten Mexiko.
Der UNO-Sicherheitsrat besteht aus den fünf ständigen Mitgliedern und Vetomächten USA, Russland, China, Frankreich und Grossbritannien sowie aus zehn nichtständigen Mitgliedern, von denen jedes Jahr fünf neu gewählt werden. Ihr Mandat läuft zwei Jahre, sie haben kein Vetorecht.